„Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“ Diese Frage stellen Erwachsene gerne Kindern. Typische Antworten: Feuerwehrmann, Polizist:in, Friseur:in. Ich selbst? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung mehr, was ich damals geantwortet habe. Vielleicht hatte ich schlicht noch keine Antwort – und das blieb lange so. Der Gedanke, sich schon im Jugendalter für eine Berufslaufbahn entscheiden zu müssen, ist nicht einfach. Wie soll man wissen, was einem wirklich liegt, wenn das Leben noch voller ungeahnter Möglichkeiten ist?
Meine ersten Schnuppertage verbrachte ich in einer Spedition und einem Kindergarten. Beides gefiel mir, aber nichts schrie wirklich „Das ist es!“. Meine Schwester arbeitete als Friseurin, und natürlich habe ich darüber nachgedacht, diesen Weg zu gehen. Doch meine Eltern hatten starke Meinungen dazu: „Friseure verdienen zu wenig!“ Also ging es für mich weiter auf die Suche.
Nach einem Jahr Handelsschule zog es mich schließlich nach Graz. Dort begann ich – zusammen mit einer Freundin – eine Lehre als Einzelhandelskauffrau bei Kastner & Öhler. Die Lehre war turbulent: neue Menschen, neue Aufgaben, das Auf und Ab der Lehrjahre. Gleichzeitig tobte das Leben, wie es nur in jungen Jahren tobt – erste Liebe, erste Trennung, Feiern bis in die frühen Morgenstunden und am nächsten Tag trotzdem zur Arbeit. Eine prägende Zeit, die mich stärker und sicherer machte.
Mit dieser Erfahrung und einem ausgeprägteren Sinn für das, was ich wirklich wollte (dachte ich zumindest), kehrte ich nach Leibnitz zurück. Doch schnell stellte ich fest, dass die Modebranche nicht mehr mein Ding war. Die Lust, Kunden zu überreden, mehr zu kaufen, nur damit meine Verkaufsstatistik besser aussieht, verschwand. Schließlich wurde ich gekündigt – eine Chance, wie sich später herausstellte.
Und so öffnete sich ein neues Tor: eine Lehre als Bürokauffrau. Auch hier erlebte ich spannende Jahre und eine Herausforderung, die ich mir nie hätte träumen lassen: Buchhaltung. Als jemand, der sich mit Zahlen eher schwer tut, brachte mir dieser Job nicht nur neue Fähigkeiten bei, sondern zeigte mir auch, dass ich über mich hinauswachsen kann. Doch die Frage blieb: Ist das meine Berufung?
Die Geburt meiner Tochter war ein Wendepunkt. Ich nutzte die Zeit, um mich neu zu orientieren, bildete mich zur Humanenergetikerin aus und vertiefte mein Wissen in Reiki. Der Job nach meiner Karenz im Management zeigte mir: Zeit mit meiner Familie ist mir wichtiger als Karriere. Die Suche ging weiter.
Und dann, völlig unerwartet, kam der entscheidende Schritt – und was für ein ungewöhnlicher. Bewegungstrainerin, ich? Ich, die Sport nie sonderlich mochte? Aber genau das hat mir die Tür zu einem erfüllten Beruf geöffnet. Dank meiner Schwester und der inspirierenden Jenny Vollmann vom Verein „Gesund Bewegt Bewegt Gesund von 0–99“ habe ich den Sprung gewagt und bin zur Yogalehrerin und Kinderyoga-Trainerin geworden. Auch Michaela Graupner von der t-base Konditionsschule in Leitring spielte eine große Rolle, indem sie mich ermutigte, mich weiterzuentwickeln und meine Potenziale auszuleben.
Heute arbeite ich als selbstständige Yogalehrerin und Kinderyoga Trainerin, sowie als Bewegungstrainerin der SPORTUNION Steiermark in Kindergärten und vermittle Kindern wie Erwachsenen Freude an Bewegung. Jeden Tag freue ich mich auf meine Arbeit – auf das Lachen, die Herausforderungen und die kleinen Erfolge. Jetzt, mit Anfang 30, kann ich mit Stolz sagen: Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Er ist nicht der, von dem ich als Kind vielleicht geträumt hätte, aber es ist der, den ich jeden Morgen mit einem Lächeln auf dem Gesicht ausübe.
Und das Beste daran? Mein beruflicher Weg zeigt mir, dass es nie zu spät ist, seine Richtung zu ändern und etwas zu finden, das wirklich zu einem passt.
Namasté, eure Nadine
