Die Welt durch Kinderaugen

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Ich liebe es, wie Kinder die Welt sehen. Nicht nur mit den Augen, sondern mit Staunen. Für uns Erwachsene ist ein leerer Blumentopf einfach ein Gefäß, jedoch für ein Kind kann daraus ein Feenhaus werden. Ein Schrank wird zur Ritterburg und ein Stock zum Zauberstab. Denn manchmal reicht schon ein kleiner Gegenstand – und eine ganze Welt entsteht.

Zur Weihnachtszeit ist eines Tages eine kleine Tür an der Wand und plötzlich zieht ein kleiner Wichtel ein und hinterlässt hier und da winzige Botschaften. Und „niemand“ weiß so genau, wo sie eigentlich herkommen. Für uns als Eltern und Erwachsene sind es kleine Spielereien, doch für Kinder ist es viel mehr.

Es sind Brücken. Zwischen ihrer inneren Welt und dem, was sie im Außen erleben. Zwischen Gefühlen und Ausdruck. Zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Und manchmal entsteht genau dort eine Form von Begegnung, die Worte allein gar nicht schaffen könnten.

Fantasiefiguren gehören zur Kindheit

• Osterhase • Christkind • Nikolaus • Zahnfee und viele mehr… Vielleicht auch ein kleiner Wichtel, der in der Adventszeit einzieht. Diese Figuren sind viel mehr als nur Geschichten. Sie sind Rituale, geben dem Jahr Struktur, lassen Vorfreude entstehen und sie machen Übergänge ein bisschen weicher. Ein verlorener Zahn wird nicht einfach ersetzt – er bekommt eine Bedeutung. Ostern wird nicht nur ein Datum im Kalender – sondern ein kleines Abenteuer im Garten. Und Weihnachten ist nicht nur ein Fest -sondern ein Geheimnis. Kinder erleben das nicht rational, sie erleben es mit dem Herzen.

Was Fantasie im Kind bewegt

Wenn Fantasie Raum haben darf, passiert etwas im Inneren des Kindes. Kreativität beginnt zu wachsen, Gefühle finden ihren Ausdruck und Geschichten entstehen. Kinder erleben, dass ihre Gedanken und Ideen etwas bewirken können. Und manchmal hilft Fantasie auch dabei, Übergänge zu verarbeiten oder Gefühle zu sortieren. Fantasie ist keine Flucht vor der Realität. Sie ist oft der Weg, sie überhaupt erst zu begreifen.

Wie lange „soll/darf“ ein Kind glauben?

Ich glaube nicht an ein bestimmtes Alter. Kinder hören meistens ganz von selbst auf zu glauben. Dann, wenn sie innerlich bereit dafür sind. Manche mit fünf, andere mit sieben oder acht und älter. Und oft passiert dieser Moment ganz leise. Mit einem nachdenklichen Blick, oder einer vorsichtigen Frage: „Mama … gibt es das eigentlich wirklich?“ Dieser Moment ist kein Vertrauensbruch, er ist ein Entwicklungsschritt. Die Magie verschwindet dann nicht, sie verändert nur ihre Form.

Wenn Kinder Dinge wahrnehmen, die wir nicht einordnen können.

Manche Kinder, auch meine Tochter, erzählen von anderen Erfahrungen. Sie berichten, dass sie zum Beispiel Verstorbene sehen. Oder sie sprechen von Begegnungen, die wir als Erwachsene nicht erklären können.

Schnell tauchen dann Fragen auf. Ist das Fantasie? Ist es Einbildung? Soll ich mein Kind korrigieren? Ich glaube, der erste Schritt darf sein: zuzuhören! Ohne Bewertung und ohne sofort eine Erklärung zu suchen. Kinder verarbeiten Trauer, Verlust oder Unsicherheit oft über Bilder und innere Vorstellungen. Und selbst wenn wir es anders einordnen würden – für das Kind ist diese Erfahrung in diesem Moment real.

Dieses Thema ist so sensibel und vielschichtig, dass ich ihm gerne einen eigenen Blog Artikel widmen möchte. – Demnächst.

Diese Fantasie fördern oder nicht?

Für mich geht es nicht um fördern oder die Fantasie nicht zu fördern, eher geht es mir persönlich darum, wie ich mein Kind begleiten kann. Ganz egal ob wir Fantasie klein machen, oder ihr Raum geben. Ob wir alles sofort erklären, oder erst einmal fragen: „Was bedeutet das für dich?“ Die Welt wird früh genug sachlich, noch früh genug logisch und früh genug ernst. Kindheit darf ein Ort sein, an dem Wunder möglich sind. Und vielleicht ist das größte Geschenk dann nicht mehr der Osterhase oder das Christkind, sondern dass wir bereit sind für einen Moment wieder mit zu staunen.

Erzähl mir von deinen Erfahrungen

Habt ihr bei euch zu Hause kleine magische Traditionen? Einen Wichtel im Advent, eine Zahnfee oder andere Rituale, die dein Kind begleiten? Manchmal entstehen genau aus solchen kleinen Ideen die schönsten Erinnerungen.

Erzähl mir gern davon in den Kommentaren.

Namasté, eure Nadine

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